16 September 2007

KANALBLATT

Was ich schätze:
Das Gehen an stillen Abenden im September
auf den Betonplattenwegen am Nordostseekanal.
Die gemurmelten Moingrüße der spazierenden Hundehalter.
Die Stille des Wassers und das vergebliche Warten auf das nächste Schiff.

09 September 2007

Hinter der Gardine



Hinter der Gardine beginnt das Fensterbrett.
Das Fenster ist zum Garten hin, dort stehen Ranunkel- und Fliederbusch und ein Goldregen.
Ein zugezogener Vorhang ist eine prima Leinwand und Bühne für Schattenspiele.
Was geschah hinter der Gardine? Und wer sind die beiden Vögel ?
Was wirklich geschah ist noch ungeklärt.
Bei den beiden Vögeln handelt es sich um Ann & Andy.
Ann war der Kopf der Teams, vom Wuchs war sie kleiner.
Andy war kräftiger gebaut, sein Schnabel länger, er war der Mann fürs Grobe. Wo er hinhackt splittert das Holz.
Als Komplizen waren sie spezialisiert auf: Erpressungen, Räubereien und Bäckereifilialenüberfälle.
Größtes Geschick zeigten sie darin: sich über Hühner lustig zu machen.
Trickreicher als den Ratten und Mäusen gelang es ihnen, den blöden Hühnern das Futter zu klauen.
Die Vermutung liegt nahe: das es sich bei Ann & Andy um ein verzaubertes Paar handelte. Welches schon über Jahre in einer gestörten Beziehung lebte.
Ann liebte Andy.
Andy war davon nur genervt.
Ann war genervt wenn Andy seinen Allerweltspruch:
„Vögel vögeln nicht“ anbrachte.
So litten beide.
Andy brauchte Ann, ohne sie waren alle Gaunereien nicht machbar.
Er hatte die Power, sie den Verstand.
Ann tat alles um Andys Anerkennung immer wieder aufs neue zu gewinnen.
Ann‘s Ende war ein Luftpistolenattentat eines benachbarten Vogelhassers.
Vielleicht war es kein Unfall. Ann schaffte es gerade noch bis auf mein Fensterbrett. Vögel sind keine Bürger, und somit brauchte Andy sich vor keinem Staatsanwalt zu fürchten.
Aber dem Vogelhasser sollte ich das Handwerk legen.
Unter dem Haselnußstrauch im Garten begruben wir Ann .
Andy sah ich gestern wieder, er ist jetzt der Anführer eine marodierenden Spatzenschwarms.

03 September 2007

HINTERHAUS


Rendsburger Hinterhaus
Gesehen von der kleinen Gasse die, die Schleifmühlenstraße und Wallstraße verbindet. Die Gasse die irgendwie keinen Namen hat.
Die gezeichneten Häuser stehen am Holstentor.
Der Mann der mir noch vor 20 Minuten ein historisches Rendsburgfoto zeigte, als ich ein Stück weiter im Stegengraben stand und zeichnete, taucht jetzt auf der Dachterrasse des roten Hauses auf. Er hängt Wäsche zum trocknen auf die Leine.
Es ist ein warmer Tag Mitte August, der Mann war schwimmen.
Ich erinnere mich, an einen schlanker sportlicher Typ mit nassen Haaren.
Er hatte es eilig, musste wie es aussah, der Putzfrau die Tür aufmachen noch mal gucken was ich da so mache, mir glücklich sein altes schwarzweiß Foto zeigen und dann war er wieder weg.
Ich hatte frei und konnte mir den Luxus gönnen alte Hinterhäuser zu zeichnen.
Er hatte Alltag und viel zu erledigen.
Ich kenne das: wie ein Eichhörnchen Sachen mit hoch nehmen, andere Sachen mit runter schleppen. Bäume hoch und Treppen runter. Heute ist ein warmer Tag und ich habe alles - bis zur letzten Fernsehantenne gezeichnet. Bevor jetzt der Typ, wie aus dem Nichts, hier auftaucht um die nächste Skizzenbuch-Kontrolle vorzunehmen, ist es Zeit etwas trinken zu gehen.

29 August 2007

PORTRÄS 4

Michael, Otto, Horst, Christiane, Hedwig, Bernd.

PORTRÄS 3

Melle, Lilly, Peter, Polo, Eva, Philipp

PORTRÄS 2

Panne, Hans Werner, Pepper, Christoph, Lotte, Anna.

PORTRÄS 1


Vom 18.-26.8.07 war Zeichenschule an der Eider.
Ich habe :
viel gelacht
viel gegessen
viel getrunken
wenig geschlafen.
Gezeichnet hab ich auch,
alle die da waren.
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Ulli, Ina, Christa, Daniel, Ari, Hilde.

29 Juli 2007

BOULE


Boule Büdelsdorf
Sonntagnachmittag für Sonntagnachmittag fahre ich zu Kai und Biggi.
In ihrem Garten hinterm Haus haben sie eine Boulebahn, welche sie selbst gebaut haben. Eine wirklich stilvolle Anlage in Form eines langes Rechteck aus festem gelbem Sand.
Groß genug das sogar Wettkämpfe (nach den Statuten des Deutschen Boule Verbandes) darauf ausgetragen werden könnten.
Ich wollte nur spielen, von den vielen Spielregeln hatte ich keine Ahnung.
Eigentlich noch immer nicht,- Meine Große Kugel an die kleine Kugel werfen.
Das ist ausreichend Spielregel und Information für mein Reptielhirn.
Der Kugelsport ist ein Training in Feinmotorik, Konzentration und Geschicklichkeit. Wenn man in all diesen 3 Disziplinen versagt, weil einem das Glück nicht hold ist oder man unausgeschlafen ist, so bleibt einem immer noch das psychologische Schlechtreden des Gegners.
Was durchaus auch Freude bereitet
Das es unterschiedliche Wurftechniken gibt, die man grob in Schießen und Legen sortiert, ahnte ich mehr als das ich es begriff- vom Verstehen ganz zu schweigen.
Dazu kommt noch das Schwanken in der Tagesform und die Beschaffenheit
der Bahn. Hat es am Vormittag ausgiebig geregnet ist der Sand schwer und ganz anders bespielbar als bei tagelanger Trockenheit.
Aber es gibt auch Augenblicke wo alles klappt. Ich und die Kugel sind eins.
Sie fliegt genau dort hin wo ich sie hindenke.
Und dann stelle ich fest : ich habe versehentlich mit der Kugel eines Mittspielers geworfen, womit das Ganze wieder ungültig wäre.
Doch es ist ja nur ein Spiel und ein heiteres Sonntagnachmittagsvergnügen.

Auf der Hut

01 Juli 2007

Cruta-Gel Implantate


Cruta-Gel Implantate
Ursprünglich stammen die Cruta-Gel Implantate aus der CoCr-Modellgußtechnik.
Dort werden sie heute noch als Dubliermasse verwendet.
Es handelt sich hierbei um ein festes, geruchloses Gel mit einer Dichte von 1,2g/ml.
Mit den Hauptbestandteilen : Glyzerin und Agar Agar stehen sie ganz oben auf der Liste der biokompatiblen Implantate.

24 Juni 2007

MITTSOMMERNACHT


Mittsommernacht.
Wie feiert man den Mittsommernacht?
Ein Feuerle machen ist gut.
Muss ja kein echtes Johannisfeuer sein über das man noch, zum Höhepunkt des Sonnenlichts, gewagte Sprünge vollführt. Das Leben , die Fülle und der Reichtum soll gefeiert werden.
Ein guter Augenblick alte Kontoauszüge zu verbrennen.
Es ist schön lange drausenzusitzen.
Am Feuer leckere Würstchen grillen, das stillt den Hunger.
Mond- und Sonnenlampions erhellen die Nacht.
Ein paar Spielmänner sollten aufspielen so in der Art von Al di Meola, John McLaughlin & Paco De Lucia wie in jener Freitagnacht in San Francisco.
Wenn dann der Mediterranean Sundance ertönt nehme ich einen tiefen Schluck Elchbier oder Edelstoff und weiß: ab diesem Augenblick werden die Tage wieder kürzer,
die Nächte wieder länger.
Etwas Trauer zieht ganz zart am Herzen.
Das muss sein, damit sich die Freude schöner anfühlen kann.

18 Juni 2007

Was zum schnubbern


20 :1 stand es zwischen Fido und Fred.
Das Ergebnis ergab sich aus der Anzahl ihrer Riechzellen.
2 Millionen zu 100 000.
Was Fred als aufdringliches Parfüm oder Rasierwasser anwehte, den Geruch von ranzigem Fett aus Micky‘s Wurstbude oder frisch gemähtem Rasen,
interessierte Fido so wenig wie Straßenlärm.
Er roch feinere Spuren.
z.B. das Frau Wohlmacher vor einer halben Stunde hier ihre Einkaufstasche, in der 12 Bockwüste vom Schlachter Hogrefe steckten, nach Hause trug.
Das feine Aroma einer läufigen Hündin ließ ihn die Ohren spitz nach oben stehen.
Den protzigen Alphamännchen-Gestank, mit dem Doggen an Hausecken markieren, ließ ihn die Augen verdrehen, aber Hunde haben fast kein Augenweiß..
Den zart säuerlichen Angstschweiß nervöser Menschen, wenn sie einen Hund ohne Leine auf sich zukommen sehn, war ihm stiller Triumph.
Aber der Gipfel war, wenn er in der Diele lag, konnte er im Schlaf riechen sobald in der Küche der Dosenöffner ins Blech der Hundefutterdose schnitt.

wunderlicher Köter

11 Juni 2007

SAUMÜDE


Ich bin ein müder Eber.
Versoff mir meine Leber.
Vom viel zu vielen trinken,
wächst mir ein Bierschinken.
Ansonsten ist mein Leben trübe.
Bin eben faul & fett & müde.
Selten gibt es Saus & Braus.
Hin & wieder wird‘s doch bunt.
Läßt der Bauer die Säue raus,
dann geht‘s aber rund !

BUTTERBROTFINDER

25 Mai 2007

KLAPPSTULLE


Butterbrot
„Nur das Butterbrot das du in der Tasche hast macht dich satt!“
Was ist das nur für ein Spruch.
Elternermahnung oder Glaubensbekenntnis?
Na wenn es zu Hause liegen bleibt, nutzt es unterwegs nichts.
Da ich nie Mangel oder Notzeiten erlitten habe fehlt meinem Butterbrot die existentielle Tiefe.
Es ist Energiereseve und Vorbeugung gegen plötzliche Unterzuckerung, manchmal ist auch ein Teil vom Kampf gegen die Vergeßlichkeit, nie aber dient es der bloßen Sicherung des nackten Überlebens . Was mich ein Butterbrot in die Tasche stecken läßt?
Ist doch wohl klar:
Was man hat macht satt!

20 Mai 2007

Am Altglaßcontainer


Auch wenn Fred die Gurkengläßer streng von den Rotweinflaschen schied.
Es blieb ein bedrückendes Gefühl.
So wie die Erkenntnis: das die Welt auf diesem Weg nicht zu retten sei.

Abendtrunkkarte Nr.9

13 Mai 2007

LICHTMALEREI


Der Ahorn steht im Sonnenlicht
Ihn selber sieht man nicht.
Der Maler ist ein armes Schwein.
Er kann nur Schatten, keinen Sonnenschein.

07 Mai 2007

Der Quoten-Mann in der VHS Aktzeichenklasse


Der Quoten-Mann in der VHS Aktzeichenklasse

Wenn man im Volkshochschul-Aktzeichenkurs der einzige Mann ist,
so sollte man zeichnen können um nicht in den Verdacht des Spannens zu geraten. Aber ich bin kein Spanner, ich gucke nur und kann Linien ziehen.
Die Lehrerin Larissa Strunowa-Lübke kommt aus Rußland, sie hat viel Temperament weniger Deutschkenntnisse.
Sie ist sehr aufmerksam, mit wachen Äuglein gibt sie, manchmal etwas unkonventionell, Korrekturen.
Nach dem auf meinen Zeichnungen die Figuren meist etwas steif und hölzern aussahen sagte sie zu mir: Wie stehst du da?
Du bist nicht locker in den Hüften und dann machte sie einen kleinen Bauchtanz, schubste mich an und sagte: So mußt du machen. Wenn du nicht locker in deinen Bewegungen bist werden es die Figuren
auf dem Zeichenblock auch nicht.
Auf soviel Selbsterfahrung war ich garnicht gefaßt.
Weiter waren mir die kleinen Tabus im Unterricht unbekannt.
Keine dünnen Pinsel.
Keine Brustwarzen.
Keine weißen Stellen beim Malen.
Verstößt man dagegen , so reagiert Larissa sehr temperamentvoll und bekommt ihre“ich hasse“ Platte nicht mehr vom Teller.
Das passiert einem nur einmal und beim nächsten Abend bleiben die dünnen Pinsel zu Hause.
Eine weiter Stromschnelle ergab sich aus der Thematik: Männer ticken anders als Frauen. Und damit immer wieder vorgeführt zu werden als gerade einzig verfügbares Muster der Gattung war nicht lustig.
Wie Männer und Frauen im Kunstmarkt bösner einkaufen.
Wie Männer und Frauen Bilder malen und betrachten.
Anhand eines Gustav Klimt Bildbandes wurde uns die Problematik von Figur im Bildraum und Verteilung farbiger Flächen erklärt. Also kurz: Komposition.
Als ich zu Schluss noch wissen wollte wie Hr. Klimt nur diese tollen Hintergründe in seine Bildern gemacht habe.
So stand ich ganz schnell in der Ecke des detailbessesen und technikverliebten Herren, die sich beim Kunstmarkt bösener gleich bei der Männerkasse anstellen kann.
Wie Klimt seine Hintergründe macht weiß ich immer noch nicht,
werde mal einen Mann fragen.

Abendtrunkkarte Nr.8

BLOß(e) GESTALTEN

18 März 2007

Das Geburtstagsgeschenk



Das Geburtstagsgeschenk soll ein Ipod sein.
Dafür legen alle zusammen.
Die Geburtstagskarte soll aussehen wie ein Ipod.
Mit einem Ipodstempel werden, für jeden Geber, PappIpod‘s gemacht .
In der Zwischenzeit wurde der Ipod direkt bei apple bestellt.
Es ist ein roter, der sich in einer Damenhandtasche besonders fein macht.
Auf der Rückseite trägt er den Namen des Geburtstagskinds.
Obendrein ist man nach dessen Kauf ein ganz Guter, weil 10 € vom Kaufpreis an die Aidshilfe gehen.
Ein frischausgepackter Ipod kann noch nicht viel. Display an und aus im Höchstfall ein Kartenspiel und die Uhreinstellen.
Mit neuen Spielsachen hat man am meisten Spaß wenn man gleich losspielen kann. Und Ipod‘s müssen spielen.
Also muss Musik drauf. Die Frage: Was für Musik? Beantwortet sich von selbst - den:
Jeder der was gibt, darf was wünschen.
Eine erstaunliche Mischung wurde das, ein Schnitt durch alle Generationen, ein Abbild eines gesellschaftliches Panorama in 21 Tracks.
Frank Sinatra, Moody Blues, Wildecker Herzbuben, Grateful Dead, Heeresmuskkorps, Johny Cash, Die Flippers, Eros Ramazoti, Giuseppe Verdi.... Es waren mehrere Abende die ich damit verbrachte Musik zu suchen und runter zu laden.
Sie kamen von CDs, und natürlich aus dem Internet per email,
per Wikipedia und LimeWire.
Die harten Techno Stücke der Töchter waren weniger ein Problem
als die Marschmusik des Großvaters.
Aber mit vereinter Hilfe gelang alles aufs Schönste.
Das alles verbrauchte mehr Zeit als Anfangs gedacht und ich geriet in den Sog eines Ipodwahns. Auf einmal tauchte die besorgte Frage auf:“Bist du etwa objektofil ? „
Sie ließ sich mittlerweile nicht mehr mit einem klaren „Nein“ beantworten.
Um nicht alleine dran krank zu werden habe ich Freunde zu einen Bastelabend eingeladen,sie mussten bunte Pappe-weißes Clickwheel und Display schneiden und kleben. Aus Übermut und Spieltrieb machten wir Fotos von den Basteleien um sie später in den Ipod hineinzuladen.
Die Geburtstagskarte wuchs sich zu einem ansehnlichen Lepporello aus.
Zusammen gelegt zeigte er gute Federkraft.
Um sie zu nützen, fummelten wir sie kunstvoll in den Karton.
Damit sie beim öffnen der Geschenkschachtel wie ein Teufel aus der
Kiste springt.

Bist Du objektofil ?


26 Februar 2007

Abendtrunkkarte Nr.2

Abendtrunkkarte Nr.1


Anna und Daniel zeichnen immer so schöne Frühstückskarten.
Siehe : http://fruehstueckskarte.blogspot.com
Aber ich hab morgens zum Zeichnen keine Zeit.
Den Kaffee muss ich trinken aus dem werden keine wach-aquarellirrten Karten.
Ich zeichne abends und dann trink ich noch dazu.
Darum "Abendtrunkkarte".

18 Februar 2007

Der Hilfskaplan



























Jeden Donnerstag um 16°° Uhr geht der Hilfskaplan in sein Gemeindehaus.
Dort ist Seniorenkaffee, eine heitere Ü 70 Party.
Der Ablauf des Nachmittags ist immer der Gleiche.
Es beginnt mit der Begrüßung dann werden 2 Lieder gesungen gefolgt von einer kleine Ansprache. Danach gibt es Kaffe und Kuchen und das allseits beliebte Bingospiel.
Der Hilfskaplan ist ein unauffälliger Mann, er grinst ein wenig zuviel und trägt weder Uhr noch Ring. Er achtet sorgfältig darauf das unter der schwarzen Sutane kein bunter Freak hervorschaut.
Nur sein Bruder und sein Freund der Domprälat wissen das er sich im Internet unter dem Namen „Schrank Fulz“ herumtreibt.

12 Februar 2007

Silberstiftzeichnung

Die Silberstiftzeichnung
In Eric Hebborn‘s Kunstfälscherhandbuch und Walter Koschatzky‘s Kunst der Zeichnung hatte ich von der Silberstiftzeichnung gelesen.
Sie stammt aus der Zeit vor der Erfindung des Bleistifts.
So etwas antiquiertes wollte ich auch mal versuchen.
Im Silberschmiedegeschäft neben der Sparkasse kaufte ich ein Stück Silberdraht, Bleistiftminen dick, 4 cm lang.
Silberstiftzeichnungen brauchen ein grundiertes Papier. Carta tinta nennt sich die stilechte Grundierung aus Knochenpulver, Bleiweiß und Gelatine.
Nun wollte ich keinen Dürer fälschen, eine einfache Grundierung tut es auch und etwas Chinesisch-Weiß hatte ich zu Hause.
Die Spitze des Silberdrahtes habe ich fein gerundet damit er das Papier zerkratzt oder zerreißt.
Der Strich erscheint auf dem Papier als feines Hellgrau und oxidiert später ins Braune oder Schwarze.
Aber über Nacht wurde der Silberstrich auf meiner Zeichnung nicht dunkler.
Auch nach einer Woche nicht. Er blieb blaß und hell.
Ich bügelte die Zeichnung und ruinierte mir bei der Gelegenheit den Teppichboden.
Aber dunkler wurde die Zeichnung nicht.
Im Internet fand ich unter „Silber oxidieren“ viele Einträge zum Putzen von Tafelsilber. Oder von Leuten die über ihre so schnell schwarz anlaufenden Silberschmuck klagten.
Das Fazit war : Menschen die gerne und viel Knoblauch essen laufen die Silberringe schneller schwarz an. Es liegt an den Schwefelverbindungen in ihren Ausdünstungen.
Nach dieser Information ging ich in die Hirschapotheke um Sulvur zu kaufen.
Der Apotheker fragte wieviel brauchen Sie ? Zwei Teelöffel genügen. Was wollen sie damit ? Silber schwärzen sagte ich. 5g. Schwefel kosteten 20 Cent.
Zunächst streute ich ihn über das Bild und ließ ihn eine Nacht liegen. Das brachte nix. Dann löste ich Schwefel in Alkohol und pinselte ihn auf, auch nix.
Danach mischte ich ihn unter Eigelb und strich die Zeichnung damit ein, weil man mit Silberlöffeln keine Eier essen soll. Ergebniss so lala......
Was alte Zeichnungen über Jahrhunderte oxidieren , das schaffe ich mit keinen Trick über Nacht.
Aber nächste Woche gehts weiter, dann kommt der Auftritt der Schwefelleber.

04 Februar 2007

Harmensz


Harmensz wollte mit sich selbst ins Reine kommen.
Er kannte er einen Ort, der fern vom Lärm der Welt war.
Dort ging er hin.
Nur der Klang seiner Schritte und die schwere Tür waren auf dem Flur zu hören.
Harmensz setzte sich mit den Rücken zum Fenster. Er hörte jetzt seinen schweren Atem und das dumpfe Summen der Stille. Vielleicht war es auch nur sein funktionierendes Nervensystem.
An diesen Ort, hatte sich Harmensz gewünscht weil er hoffte hier Ruhe und etwas Klarheit, über sich und den ganzen Rest, zu finden.
Jetzt, wo er hier war, kam es ihm noch schöner vor.
Seinen Alltagskram sah er kleiner und kleiner werden.
Nun sollten sie einschlagen: die Sternschuppenschauer erkenntnisreicher Geistesblitze.
Aber was er sah : war nur der tanzende Staub im schräg einfallenden Licht.
Eine behagliche Schläfrigkeit schöner Träume und das Gefühl warmer Sonne im Rücken stimmten ihn milde.
Es fiel ihm aber immer noch nichts ein. Irgendwann stand Harmensz auf und ging weg.
Ich fand an dem Platz wo er saß einen Zettel, auf dem zu lesen stand :
"Wie mache ich es, ohne es tun zu müssen ?"