20 Mai 2007

Am Altglaßcontainer


Auch wenn Fred die Gurkengläßer streng von den Rotweinflaschen schied.
Es blieb ein bedrückendes Gefühl.
So wie die Erkenntnis: das die Welt auf diesem Weg nicht zu retten sei.

Abendtrunkkarte Nr.9

13 Mai 2007

LICHTMALEREI


Der Ahorn steht im Sonnenlicht
Ihn selber sieht man nicht.
Der Maler ist ein armes Schwein.
Er kann nur Schatten, keinen Sonnenschein.

07 Mai 2007

Der Quoten-Mann in der VHS Aktzeichenklasse


Der Quoten-Mann in der VHS Aktzeichenklasse

Wenn man im Volkshochschul-Aktzeichenkurs der einzige Mann ist,
so sollte man zeichnen können um nicht in den Verdacht des Spannens zu geraten. Aber ich bin kein Spanner, ich gucke nur und kann Linien ziehen.
Die Lehrerin Larissa Strunowa-Lübke kommt aus Rußland, sie hat viel Temperament weniger Deutschkenntnisse.
Sie ist sehr aufmerksam, mit wachen Äuglein gibt sie, manchmal etwas unkonventionell, Korrekturen.
Nach dem auf meinen Zeichnungen die Figuren meist etwas steif und hölzern aussahen sagte sie zu mir: Wie stehst du da?
Du bist nicht locker in den Hüften und dann machte sie einen kleinen Bauchtanz, schubste mich an und sagte: So mußt du machen. Wenn du nicht locker in deinen Bewegungen bist werden es die Figuren
auf dem Zeichenblock auch nicht.
Auf soviel Selbsterfahrung war ich garnicht gefaßt.
Weiter waren mir die kleinen Tabus im Unterricht unbekannt.
Keine dünnen Pinsel.
Keine Brustwarzen.
Keine weißen Stellen beim Malen.
Verstößt man dagegen , so reagiert Larissa sehr temperamentvoll und bekommt ihre“ich hasse“ Platte nicht mehr vom Teller.
Das passiert einem nur einmal und beim nächsten Abend bleiben die dünnen Pinsel zu Hause.
Eine weiter Stromschnelle ergab sich aus der Thematik: Männer ticken anders als Frauen. Und damit immer wieder vorgeführt zu werden als gerade einzig verfügbares Muster der Gattung war nicht lustig.
Wie Männer und Frauen im Kunstmarkt bösner einkaufen.
Wie Männer und Frauen Bilder malen und betrachten.
Anhand eines Gustav Klimt Bildbandes wurde uns die Problematik von Figur im Bildraum und Verteilung farbiger Flächen erklärt. Also kurz: Komposition.
Als ich zu Schluss noch wissen wollte wie Hr. Klimt nur diese tollen Hintergründe in seine Bildern gemacht habe.
So stand ich ganz schnell in der Ecke des detailbessesen und technikverliebten Herren, die sich beim Kunstmarkt bösener gleich bei der Männerkasse anstellen kann.
Wie Klimt seine Hintergründe macht weiß ich immer noch nicht,
werde mal einen Mann fragen.

Abendtrunkkarte Nr.8

BLOß(e) GESTALTEN

18 März 2007

Das Geburtstagsgeschenk



Das Geburtstagsgeschenk soll ein Ipod sein.
Dafür legen alle zusammen.
Die Geburtstagskarte soll aussehen wie ein Ipod.
Mit einem Ipodstempel werden, für jeden Geber, PappIpod‘s gemacht .
In der Zwischenzeit wurde der Ipod direkt bei apple bestellt.
Es ist ein roter, der sich in einer Damenhandtasche besonders fein macht.
Auf der Rückseite trägt er den Namen des Geburtstagskinds.
Obendrein ist man nach dessen Kauf ein ganz Guter, weil 10 € vom Kaufpreis an die Aidshilfe gehen.
Ein frischausgepackter Ipod kann noch nicht viel. Display an und aus im Höchstfall ein Kartenspiel und die Uhreinstellen.
Mit neuen Spielsachen hat man am meisten Spaß wenn man gleich losspielen kann. Und Ipod‘s müssen spielen.
Also muss Musik drauf. Die Frage: Was für Musik? Beantwortet sich von selbst - den:
Jeder der was gibt, darf was wünschen.
Eine erstaunliche Mischung wurde das, ein Schnitt durch alle Generationen, ein Abbild eines gesellschaftliches Panorama in 21 Tracks.
Frank Sinatra, Moody Blues, Wildecker Herzbuben, Grateful Dead, Heeresmuskkorps, Johny Cash, Die Flippers, Eros Ramazoti, Giuseppe Verdi.... Es waren mehrere Abende die ich damit verbrachte Musik zu suchen und runter zu laden.
Sie kamen von CDs, und natürlich aus dem Internet per email,
per Wikipedia und LimeWire.
Die harten Techno Stücke der Töchter waren weniger ein Problem
als die Marschmusik des Großvaters.
Aber mit vereinter Hilfe gelang alles aufs Schönste.
Das alles verbrauchte mehr Zeit als Anfangs gedacht und ich geriet in den Sog eines Ipodwahns. Auf einmal tauchte die besorgte Frage auf:“Bist du etwa objektofil ? „
Sie ließ sich mittlerweile nicht mehr mit einem klaren „Nein“ beantworten.
Um nicht alleine dran krank zu werden habe ich Freunde zu einen Bastelabend eingeladen,sie mussten bunte Pappe-weißes Clickwheel und Display schneiden und kleben. Aus Übermut und Spieltrieb machten wir Fotos von den Basteleien um sie später in den Ipod hineinzuladen.
Die Geburtstagskarte wuchs sich zu einem ansehnlichen Lepporello aus.
Zusammen gelegt zeigte er gute Federkraft.
Um sie zu nützen, fummelten wir sie kunstvoll in den Karton.
Damit sie beim öffnen der Geschenkschachtel wie ein Teufel aus der
Kiste springt.

Bist Du objektofil ?